Der Wettlauf um die Wurscht

Welch ein Glück! Sie ist noch da, die blaue Essenmarke in meiner Hosentasche, irgendwo eingeknüllt zwischen dem Taschentuch  (benutzt)  und dem Labello „Juicy Fantasy“. Es ist kurz vor sieben Uhr abends, zwischen sechs und acht Uhr erwartet alle Teilnehmer das „Verpflegungspaket 1“.

Ein bisschen erinnert mich die Essenmarke an meine eigene Grundschulzeit. Damals bekamen wir von griesgrämigen Essenverteildamen die heiße Assiette im Tausch gegen den inzwischen weichgegrabbelten Essenkupong. Nun bin ich also älter geworden und an diesem Wochenende einer unter vielen tausend Teilnehmern. Und zähle mich zudem zu einen der Glücklichen, die ihr Geschirr und Besteck zuhause nicht vergessen haben.

 

Lecker, gleich gibt´s Abendbrot!

Apropos Brot...  Auf dem Weg zur Essenvergabestation am anderen Ende des Geländes, begegne ich zweierlei Arten von Menschen. Denen, die freudig ein bis zwei Scheiben ihr Eigen nennen können und denen, die Opfer derer geworden sind, die ganze bis halbe Brote wegschleppten.

Mir schwant schreckliches.

 

Wie die Geier

 

Eigentlich hatte ich lange Schlangen angriffslustiger Teilnehmer erwartet. Doch überraschte mich gähnende Lehre, ein duzend Reihen Absperrzauen und halb so viele Stationen, bestückt mit je zwei Jungs in blauer Uniform und freundlichem Gesicht. Zu diesen vorgedrungen, wurde ich gleich wieder weggeschickt, das Brot sei gerade leer, aber in einer halben Stunde sollte wieder nachgeliefert werden. Wahrscheinlich waren die Teilnehmer entweder hungriger oder frecher („Ich nehme gleich 10 Scheiben, die sind für meine Freunde.“) als erwartet.

 

Nach einer knappen halben Stunde schritt ich siegessicher zum Stand, ich wollte unbedingt die Erste sein. Mich erwartete gähnende Leere, ein dutzend Reihen Absperrzaun.... Halt!...

Es war kein Déjà vu. Tatsächlich war auch die zweite Ladung Brot verteilt und so blieb mir nur übrig die Versorgungstüte 1 in Empfang zu nehmen. Den Brotbelag bestehend aus „Gesunder Halbfett - Diätmagarine“ und Frischkäse und einer sehr merkwürdig anmutenden Leberwurst in Klopsform war somit etwas unbrauchbar. Immerhin: Der Apfel und der Müsliriegel waren gut ohne die fehlende Brotration verzehrbar.

 

Kurz später, wenig danach wurden die letzten Verpflegungtüten ins Volk geworfen, ob mit oder ohne Essenmarke, ob mit oder ohne Brot. Auf dem Weg zur Eröffnungsveranstaltung kullert vor mir ein einsamer Apfel durch den schwarzen Sand und ich freue mich auf Dextro Energen, morgen in der Frühstückstüte.

 

fr



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