Das Spiel mit dem Wasser

Mal gucken, was hier so geht. Die erste Proranacht stolpert man so durch den Bau, verfängt sich in Sackgassen und gerät in Gespräche über die Kunst an den Wänden. Wir trafen Margarita (19) aus Erfurt irgendwo im Bunker vor diesem Akt, der schon auf Seite 50 des Prora03-Guides ins Auge springt. Was ist dran und wie geht es überhaupt der Welt. Was gehört in den Playboy und warum hat dieses Bild den Sonderpreis mit der Auszeichnung „Fast vollkommen“ so unglaublich verdient? Das war’s mit Tanzen, wir versackten in ausrangierten Wartburg-Sitzen irgendwo bei Aktionsfläche 8.

 

Preisverleihung des Fotowettbewerbs am Sonnabend um 10 Uhr. Egbert Buchberger ist bei Prora03 verantwortlich für die Auswahl der Projekte, und er ist ganz besonders stolz. „Wir haben es geschafft, den Jugendlichen viele Möglichkeiten zu geben, ihre Fragen an die Zukunft loszuwerden. Viele verschiedene Genres der Kunst, so auch die Fotografie, geben etwas für Gespräche und Visionen her.“ Alice Erika und Walter Hinghaus, beide Jurymitglieder, zeichneten mehr junge Fotografen und Fotografinnen aus, als geplant war. „Unter den 40 Teilnehmenden des Wettbewerbs sind einige mit Potenzial. Wir wollten gute Ideen in den Bildern finden, ein bisschen Mut machen und zum weiteren Training ermuntern.“

 

Es beruhigt, zu wissen, dass Jennifer (16) aus der Nähe von Neustrelitz in natura blaue Augen hat. Der braune Schimmer des Monochrom-Filmes, der dem Akt die Patina einer Aufnahme aus den Zwanzigern verleiht, ließ rätseln. Aber das macht ja Erotik aus: Verbergen und allenfalls eine Ahnung zulassen. „Die Ästhetik des Körpers reizt mich. Ich will nicht gleich alles verraten“, so die begnadete Fotografin und Pferdeliebhaberin Dana Kundt (18) aus Watzkendorf. Jetzt dürfen wir Jennifer die Hand schütteln. Naja, das Bild bleibt ja hängen. „So unschuldig, wie sie auf dem Bild wirkt, ist sie tatsächlich gar nicht“, verrät ihre Freundin Dana. Und trotzdem musste sie sich zu dieser Session erst überreden lassen, denn viel Vertrauen gegenüber dem Fotografen gehört dazu. Die Negative des in Prora ausgestellten Werkes ‚Das Spiel mit dem Wasser’ und auch anderer exklusiv hier abgebildeter Shots vom Schmalen Lazinsee bei Feldberg hat Jennifer selbst in Verwahrung. Ein Abzug dem Freund, das ist okay. Die Abbildung in den hunderttausend Exemplaren des Prora03-Guides, „na ja, das war schon komisch. Meinem Bruder war das sogar peinlich.“ Finden wir gar nicht. Und für Dana war das Fotografieren der Schülerin des Carolinums in Neustrelitz sogar eine Herausforderung: „Das war richtig schwer. Leichter lassen sich Menschen in Szene setzen, die nicht so dem Idealtyp entsprechen. Gerade lichtete ich eine Freundin ab, die ein bisschen maskuliner wirkt, auch so hart spricht. Da bin ich kreativ, habe gleich viele Ideen.“

 

Der Preis fiel bei Dana, die erst vor kurzem ihre Leidenschaft für Fotografie bei einem Praktikum in einem Fotostudio entdeckte, an die Richtige. Wir beglückwünschen die Jury zu ihrer Entscheidung und Jennifer zu ihren blauen Augen.

 

hr/cb



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